Sommerliches Orgelkonzert in Bergen
http://www.klangkirche.info/10/100718index.htm
Sommer – Orgel – Süden? Zum Programm gehörten ein italienischer Komponist, eine barocke Orgel und eine warme Berger Kirche. Die Frage war nur, was hat Federico Andreoni, italienischer Organist zu Gast im Rahmen eines Sonderkonzertes, in seinem Reisegepäck?
Girolamo Frescobaldi sollte den Reigen eröffnen mit seiner Toccata quinta sowie der Toccata per L’Elevatione. Andreoni, Meisterschüler von William Porter in Montreal, kein Verfechter der Laut-und-Schnell-Fraktion, setzte zunächst auf die Wirkung der intensiven Vorhaltsbildungen und hauchte Frescobaldi damit klanglich Modernes ein. Federico Andreoni erläuterte die unterschiedlichen Toccatentypen des italienischen Barocks und spielte dann die Toccata VII von Michelangelo Rossi. Diese war denn auch die Lebendigste der hier präsentierten Toccaten – und obschon die älteste wurde sie durch die verwendete Chromatik zur modernsten.
Der Übergang zur nächsten Stückgruppe war wohlüberlegt: Norddeutschland und südländische Tänze. Bei Buxtehudes Ciaccona in e-moll war jegliche Zurückhaltung vorbei: tänzerisch, mal wuchtig und mal eicht. Die überbordende Freude des Tanzes war auch beim folgenden Stück von Cabanilles deutlich zu spüren, bei dem zusätzlich noch die Klangfarben (vom Krummhorn über streichende Zwischentöne bis zu starken Flötenakzenten) strahlten.
Nach der Pause kredenzte Andreoni Bach „pur“ – beginnend mit der Triosonate Nr. 6 G-Dur. Die lange Beschäftigung mit diesem Werk (er spielte bereits im Alter von 25 in Lugano den ganzen Bach an 16 Abenden) versetzte den Interpreten in die Lage, das leider nicht so zahlreich erschienen Publikum vollends in seinen Bann zu ziehen. Die sehr intelligente Registrierung sowie das stark differenzierte Spiel ermöglichten die Verfolgung der unterschiedlichsten noch so unscheinbaren Klanglinien.
Den fulminanten Schlusspunkt des Konzertes setzte er mit Toccata, Adagio und Fuge C-Dur. Aus kleinen Versatzstücken entwickelte Andreoni ein Feuerwerk, das im Adagio eine kleine Pause einlegend, in der finalen Fuge wiederaufgenommen und zum wunderbaren Schlusspunkt wurde.
Mit einer kleinen Zugabe verabschiedete er sich von den begeisterten Zuschauern.